
TESTOSTERONMANGEL
Was ist Testosteronmangel?1
Ein niedriger Testosteronspiegel oder Hypogonadismus ist ein Krankheitsbild, bei dem die Hoden (die männlichen Fortpflanzungsdrüsen) unzureichend Testosteron (das männliche Sexualhormon) produzieren. Der Testosteronspiegel nimmt bei Männern mit zunehmendem Alter allmählich ab, allerdings kann ein niedriger Testosteronspiegel auch bei jungen Männern auftreten, insbesondere bei Gewichtszunahme am Bauch oder erhöhtem Körperfettanteil. Andere mögliche Ursachen für einen niedrigen Testosteronspiegel bei jüngeren Männern sind Stress im Alltag und bei der Arbeit sowie die Einnahme von Medikamenten wie Opioiden, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Statinen. Ein Testosteronmangel bei jungen Männern kann insgesamt genetisch bedingt sein sowie auf Umweltfaktoren oder frühere Verletzungen und Infektionen zurückzuführen sein.
Ein niedriger Testosteronspiegel ist also nicht nur ein „Problem älterer Männer".
1 von 3 Männern über 45
Bis zu etwa 40% der männlichen Bevölkerung mittleren und
höheren Alters leiden an Testosteronmangel.1
Ursachen eines Testosteronmangels1
Auch wenn viele Menschen der Ansicht sind, dass die Hauptursache für einen Testosteronmangel im Älterwerden liegt, zeigen Beobachtungsstudien immer wieder einen starken Zusammenhang zwischen Übergewicht und einem niedrigen Spiegel des zirkulierenden Testosterons bei Männern.
Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung verbessern die Chancen, den Testosteronspiegel auch mit zunehmendem Alter auf einem gesunden Niveau zu halten. Das heißt: Ein Testosteronmangel – obwohl er häufig vorkommt – tritt bei Männern nicht zwangsläufig auf, wenn sie älter werden, anders als es mit Hormonveränderungen bei Frauen in den Wechseljahren der Fall ist.
Weitere mögliche Ursachen für einen Testosteronmangel sind das metabolische Syndrom und Typ-2-Diabetes.Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen, Arthritis, Schlaganfall, Emphysem, rheumatoide Arthritis und Depression können ebenfalls Risikofaktoren für einen Testosteronmangel sein.
Welche Männer haben das größte Risiko für einen Testosteronmangel?

Männer mit Adipositas
Bis zu 80 % der Männer mit einem BMI ≥ 50 kg/m2 haben einen niedrigen Testosteronspiegel.2 Medizinische Richtlinien empfehlen, dass alle Männer mit einem BMI > 30 kg/m2 oder einem Taillenumfang > 102 cm auf einen niedrigen Testosteronspiegel untersucht werden sollten.3
Männer mit Typ-2-Diabetes
Fast die Hälfte der Männer mit Typ-2-Diabetes hat einen Testosteronmangel.4 Adipositas ist bei Männern mit Typ-2-Diabetes weit verbreitet,5 aber auch Männer mit Typ-2-Diabetes ohne Adipositas haben häufig einen niedrigen Testosteronspiegel.4 Das gehäufte Auftreten eines Testosteronmangels bei Männern mit Typ-2-Diabetes hat dazu geführt, dass in medizinischen Richtlinien empfohlen wird, den Testosteronspiegel bei Männern mit Typ-2-Diabetes und entsprechenden Symptomen zu messen.1
Männer mit erektiler Dysfunktion
Von den Männern mit erektiler Dysfunktion weist mehr als ein Drittel (36 %) einen niedrigen Testosteronspiegel auf.6 Ein Testosteronmangel kann zu einer erektilen Dysfunktion und/oder Nichtansprechen auf eine Behandlung mit PDE5i (Phosphodiesterase-5-Hemmern) wie Sildenafilführen. Aus diesem Grund ist es laut medizinischen Richtlinien unbedingt erforderlich, dass Männer mit erektiler Dysfunktion ihren Testosteronspiegel messen lassen. Besonders wichtig ist dies, wenn die Behandlung einer erektilen Dysfunktion schlecht zu wirken scheint.1,7
Männer mit hoher Arbeitsbelastung
Bei über 40 % der Männer mit sexueller Dysfunktion, die mit hoher Arbeitsbelastung umgehen müssen, wurde ein Testosteronmangel festgestellt.6
Männer, die Medikamente einnehmen
Bestimmte Medikamente, insbesondere Opioide, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Statine können den Testosteronspiegel senken.1
Welche Anzeichen und Symptome treten bei einem Testosteronmangel auf?¹
- Stoffwechselbezogene Symptome und Anzeichen
- Übergewicht (BMI 30 kg/m2 oder höher)
- Zunahme des Bauchfetts (Bauchumfang 94 cm oder höher)
- Metabolisches Syndrom
- Insulinresistenz, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes
- Sexuelle Symptome
- Abnehmendes sexuelles Verlangen und verminderte sexuelle Aktivität
- Vermindertes Auftreten sexueller Gedanken
- Erektile Dysfunktion
- Verzögerter Samenerguss
- Geringeres Ejakulatvolumen
- Verminderte Häufigkeit oder Ausbleiben morgendlicher oder nächtlicher
- Erektionen
- Kleine Hoden
- Unfruchtbarkeit
- Psychische Symptome
- Depressive Verstimmung
- Energieverlust
- Verminderte Motivation
- Konzentrationsschwäche
- Vermindertes Wohlbefinden und/oder ein als schlecht eingeschätzter eigener
- Gesundheitszustand
- Reizbarkeit
- Traurigkeit
- Beeinträchtigtes Erinnerungsvermögen
- Verminderte kognitive Leistungen (einschließlich Beeinträchtigung der
- Konzentration, des verbalen Gedächtnisses und des räumlichen Denkens)
- Körperliche Symptome
- Abnehmende Muskelmasse und -kraft
- Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
- Hitzewallungen oder Schweißausbrüche
- Schlafstörungen
- Müdigkeit
- Verminderte Knochendichte, Osteoporose, Frakturen bei geringem Trauma
- Verminderte Körperbehaarung
- Gynäkomastie (vergrößerte Brustdrüsen)
Das kommt Ihnen bekannt vor?
Mit Hilfe des AMS Fragebogens können Sie Ihre Symptome testen.

Diagnose: Wie wird ein Hypogonadismus (Testosteronmangel) erkannt?1
Die ärztliche Diagnose eines Testosteronmangels basiert auf dem Vorhandensein anhaltender Symptome und den Ergebnissen von Blutuntersuchungen zur Bestimmung des Testosteronspiegels.
Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Ihnen einige Fragen stellen, um herauszufinden, welche Anzeichen oder Symptome bei Ihnen auftreten, die auf einen Testosteronmangel hindeuten. Das
Symptom, das am häufigsten zusammen mit niedrigen Testosteronspiegeln auftritt, ist ein verminderter Sexualtrieb (geringe Libido), aber Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Sie nach mehreren
Symptomen fragen.
Viele dieser Symptome sind nicht unbedingt nur auf einen Testosteronmangel zurückzuführen. Deshalb wird Ihr Arzt/Ihre Ärztin eine körperliche Untersuchung durchführen und eventuell Blut abnehmen, um den Testosteronspiegel zu bestimmen.
Körperliche Untersuchung
- Allgemeine Untersuchung einschließlich Blutdruckmessung
- Bewertung der sekundären Geschlechtsmerkmale (Dichte und Verteilung der
Körperbehaarung, Bartwuchs) - Untersuchung der Hoden
- Messung des Bauchumfangs und der Körperfettverteilung
Blutuntersuchung
- Die Blutentnahme erfolgt in der Regel morgens (zwischen 7:00 und 11:00 Uhr), weil
der Testosteronspiegel in Ihrem Blut zu diesem Zeitpunkt am höchsten ist. - Der größte Teil des Testosterons in Ihrem Blut ist durch ein Protein namens
Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) fest gebunden, wirksam ist aber nur freies
Testosteron. Daher wird Ihr Blut eventuell auch auf den SHBG-Spiegel hin
untersucht, um festzustellen, wie viel des gesamten Testosterons freies Testosteron
ist (auch bioaktives Testosteron genannt). - Die Untersuchungsergebnisse müssen durch eine zweite Blutentnahme bestätigt
werden. - Wenn die Untersuchungen bestätigen, dass Sie einen Testosteronmangel haben,
sind möglicherweise weitere Untersuchungen erforderlich und Sie werden unter
Umständen an einen Spezialisten überwiesen. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Ihnen
mitteilen, welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind.
Beispiele für Patienten-Fragebögen zur Erfassung von Symptomen
| Fragenbogen | Erfassung | Zweck |
| AMS-Fragebogen (Aging Males‘ Symptoms) | Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der Symptome im Laufe der Zeit⁸ | Quantifizierung und Bewertung des Schweregrads der Symptome⁸ |
| BMI-Rechner (Body-Mass-Index) | Bewertung des Körpergewichts anhand von Körpergewicht und Körpergröße (kg/m²) | Beurteilung des Körpergewichts |
Behandlung eines Testosteronmangels1
Die Behandlung eines Testosteronmangels ist relativ unkompliziert. Sobald entschieden wurde, gegen den Testosteronmangel aktiv zu werden, kann der niedrige Hormonspiegel mithilfe eines der verschiedenen Testosteronpräparate erhöht werden. Alle diese Behandlungsmöglichkeiten sind verschreibungspflichtig. Eine optimale Testosterontherapie erhöht den Testosteronspiegel auf ein Niveau im normalen Bereich und befreit Sie von belastenden Symptomen. Sie ermöglicht Ihnen außerdem individuell ein praktisches Dosierungsschema und eine bequeme Art der Verabreichung.
Sie sollten wissen, dass es 6 bis 12 Monate einer ununterbrochenen Testosteronbehandlung bedarf, bis sich Ihre Symptome bessern. Tatsächlich können sich die Symptome bis zu 2 Jahre lang kontinuierlich bessern, und eine erektile Dysfunktion kann sich bei einer ununterbrochenen Testosteronbehandlung sogar bis zu 9 Jahre lang weiter verbessern.
Ein Grund für das Nichtansprechen auf eine Testosterontherapie bei Männern, die berichten, dass „es nicht funktioniert hat", ist eine suboptimale Dosierung. Diese führt dazu, dass der Testosteronspiegel nicht ausreichend ansteigt (in den Normalbereich) oder dass die Behandlung zu früh beendet wird. Eine regelmäßige Kontrolle des Testosteronspiegels und der Veränderungen von Symptomen (oder deren Ausbleiben) zeigt, ob eine Dosisanpassung des verabreichten Testosteronmedikaments erforderlich ist.
Wie bei jedem anderen Medikament kann es auch bei der Testosteronersatztherapie zu Nebenwirkungen kommen. Ihr Arzt bewertet diese Risiken und den möglichen Nutzen und es ist wichtig, dass Sie diese verstehen. Wenn Sie und Ihr Arzt beschließen, eine Testosterontherapie einzuleiten, lesen Sie bitte die Packungsbeilage des Arzneimittels, um sich über mögliche Nebenwirkungen zu informieren.
Referenzen
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, 3. Male Hypogonadism2022. https://d56bochluxqnz.cloudfront.net/documents/full-guideline/EAU-Guidelines-on-Sexual-and-Reproductive-Health-2022_2022-03-29-084141_megw.pdf (Zugriff im März 2026).
- Molina-Vega M, Asenjo-Plaza M, García-Ruiz MC, et al. Cross-Sectional, Primary Care-Based Study of the Prevalence of Hypoandrogenemia in Nondiabetic Young Men with Obesity, Obesity (Silver Spring). 2019;27(10):1584-1590.
- Garvey WT, Mechanick JI, Brett EM, et al. American Association of Clinical Endocrinologists and American College of Endocrinology Comprehensive Clinical Practice Guidelines for Medical Care of Patients with Obesity. Endocrinepractice: official journal of the American College of Endocrinology and the American Association of Clinical Endocrinologists. 2016;22 Suppl3:1-203. (Zugriff im März 2026)
- Dhindsa S, Miller MG, McWhirter CL, et al. Testosterone concentrations in diabetic and nondiabetic obesemen. Diabetes Care. 2010:33(6):1186-1192.
- Cloostermans L, Wendel-Vos W, Doornbos G, et al. Independent and combined effects of physical activity and bodymassindex on the development of Type 2 Diabetes -a metaanalysis of 9 prospective cohort studies. IntJ BehavNutrPhysAct. 2015;12:147.
- Guay A, Seftel AD, Traish A. Hypogonadism in men with erectile dysfunction may be related to a host of chronic illnesses. IntJ ImpotRes. 2010;22(1):9-19.
- European Association of Urology, 2020 EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. https://uroweb.org/guideline/sexual-and-reproductive-health (Zugriff im März 2026).
- The Aging Male Symptoms (AMS) Scale. https://zeg-berlin.de/expertise/diagnostics-tools/aging-male-symptoms-scale/about-ams-scale/ (Zugriff März 2026).
M-NEB-CH-03-26-0004
