
ATHEROSKLEROTISCHE HERZ-KREISLAUF-ERKRANKUNGEN
Was ist eine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung?
Atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Oft entstehen sie, weil sich „schlechtes Cholesterin“ (LDL-Cholesterin) in den Blutgefäßen ablagert.
Man kann sich das so vorstellen (siehe Abbildung):
- Unsere Arterien sind wie Wasserleitungen, durch die das Blut fließt.
- Wenn sich dort im Laufe der Zeit Fettteilchen und Cholesterin absetzen, entstehen Ablagerungen, die man Plaques nennt.
- Diese Ablagerungen verengen die Leitung – das Blut kann nicht mehr gut fließen.
- Wird ein Gefäß stark verengt oder ganz verstopft, kann das zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Blutgefässmit Ablagerungen, sogenannten atherosklerotischen Plaques
Lipidphysiologie – wie Lipide (Fette) im Körper verarbeitet und transportiert werden
Fette (Lipide) spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Atherosklerose. Die wichtigsten Blutfette sind Cholesterin und Triglyceride. Damit sie im Blut transportiert werden können, werden sie in kleine „Transportteilchen“ verpackt – diese nennt man Lipoproteine.
Dazu gehören zum Beispiel LDL, HDL und Lipoprotein A.
Vor allem das LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“) ist entscheidend: Es ist das Lipoprotein, das am stärksten zur Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen beiträgt. Deshalb ist es das wichtigste Ziel in der Behandlung erhöhter Blutfette.
Sind die LDL-Werte über längere Zeit erhöht – etwa wegen ungünstiger Ernährung, Bewegungsmangel oder genetischer Ursachen – steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.
Woraus bestehen Lipoproteine?
Sie setzen sich zusammen aus:
- Cholesterin (in veresterter und freier Form)
- Triglyceriden
- Phospholipiden
- sogenannten Apolipoproteinen – diese Eiweißbestandteile geben dem Lipoprotein seine Struktur und helfen, Fettstoffe im Körper dorthin zu bringen, wo sie benötigt oder abgebaut werden.
Was bedeutet „Dyslipidämie“?
Der Begriff beschreibt ungesunde Fettwerte im Blut. Typisch sind:
- zu hohe LDL-Werte
- zu hohe Gesamtcholesterin-oder Triglyceridwerte
- zu niedrige HDL-Werte („gutes Cholesterin“).
Früher wurden Fettstoffwechselstörungen mit dem Fredrickson-Levy-Lees-System (FLL) in verschiedene Typen (I–V) eingeteilt – je nach Muster der Lipoproteine im Blut.
In der modernen Praxis konzentriert man sich allerdings vor allem auf erhöhte LDL-Cholesterinwerte, weil sie am besten belegt mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen und in allen Leitlinien im Vordergrund stehen.

Die Senkung des schlechten Cholesterins
(LDL-Cholesterin) ist das wichtigste Ziel in der
Behandlung erhöhter Blutfette.
Ursache der primären Hypercholesterinämie
Es gibt Formen von erhöhtem Cholesterin, die hauptsächlich genetisch bedingt sind. Man spricht dann von primärer Hypercholesterinämie. Diese kann in zwei Varianten auftreten – heterozygot (ein verändertes Gen) oder homozygot (zwei veränderte Gene).
Heterozygote familiäre Hypercholesterinämie (HeFH)
Die heterozygote Form ist relativ häufig: Etwa 1 von 200 bis 500 Menschen ist betroffen.
Ursache sind Veränderungen in bestimmten Genen, die für den Abbau von LDL-Cholesterin wichtig sind (z.B. LDLR,
APOB, PCSK9).
Dadurch ist der LDL-Cholesterinspiegel bereits ab der Geburt erhöht, was langfristig das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich steigert.
Homozygote familiäre Hypercholesterinämie (HoFH)
Die homozygote Form ist selten, aber sehr schwerwiegend.
Betroffene haben extrem hohe LDL-Werte, oft über 13 mmol/l (über 500 mg/dl).
Ohne Behandlung kommt es häufig schon im Kindesalter zu schweren Gefässverkalkungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Behandlung ist daher besonders intensiv. Sie umfasst meist:
- starke Cholesterinsenkende Medikamente wie Statine
- Ezetimib
- PCSK9-Hemmer
- sowie in schweren Fällen Lipoprotein-Apherese, ein Verfahren, das LDL direkt aus dem Blut entfernt.
Die gemischte Dyslipidämie
Bei der gemischten Dyslipidämie sind zwei Blutfette gleichzeitig erhöht:
- LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“)
- Triglyceride(eine Art Blutfett, das oft mit Ernährung und Stoffwechsel zusammenhängt)
Diese Form der Fettstoffwechselstörung kommt relativ häufig in der Bevölkerung vor.
Sie tritt besonders oft auf bei Menschen mit:
- Metabolischem Syndrom
- Typ-2-Diabetes
- Chronischen Nierenerkrankungen
Durch die erhöhten Fettwerte zirkulieren mehr schädliche Lipoproteine im Blut. Dadurch steigt das
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Wie wird behandelt?
Die Behandlung beginnt immer mit:
- Lebensstiländerungen (gesündere Ernährung, mehr Bewegung, Gewichtsreduktion, weniger Alkohol)
- Statinen, die das LDL-Cholesterin senken
Wenn die Werte damit allein nicht ausreichend sinken, können weitere Medikamente kombiniert werden.
Welche Ziele gibt es?
Internationale Leitlinien empfehlen:
- LDL-Cholesterin um mindestens 50% gegenüber dem Ausgangswert zu senken
- konkrete Zielwerte, je nachdem wie hoch das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko ist
Referenzen
- Mach F, Koskinas KC, van Lennep JER, et al. ESC/EAS Scientific Document Group. 2025 Focused
Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: Developed by
the task force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology
(ESC) and the European Atherosclerosis Society (EAS). Eur Heart J. 2025;46:4359–4378. - Schweizerische Herzstiftung; Verfügbar unter: https://swissheart.ch/erkrankungen-und
notfall/herzkrankheiten-und-hirnschlag/arteriosklerose(Zugriff März 2026) - mediX. Guideline Hyperlipidämie. Zürich: mediX; Aktualisierung 2024/2025. Verfügbar unter:
https://www.medix.ch/wissen/guidelines/hyperlipidaemie/ (Zugriff März 2026) - Website des Universitätsspitals Zürich. Hypercholesterinämie. Publiziert 10.10.2025. verfügbar
unter: Hypercholesterinämie –USZ(Zugriff März 2026)
M-CRE-CH-03-26-0004
